Ein gemeinsamer Traum

August 5, 2008

Zuviel CCTV, zuviel niedliche Fuwa-Maskottchen (mein Vater hat alle Gedenkmünzen einer Serie dazu gesammelt…), zuviel Schriftzeichen, die man zwar lesen aber nicht schreiben kann (und das sind so um die 3000).
Und dann noch dies: Beijing Aoyunhui. So langsam kann ich den Begriff nicht mehr hören.
Ob es den Chinesen (mangels guter Alternativen zum Staatsfernsehen*, zumindest was Olympia betrifft) genauso geht? Wohl eher nicht, wenn man die offenkundige Begeisterung der Chinesen als Maßstab nimmt, wiewohl auch die verordnete Vorfreude, nähergebracht mittels etlicher, teilweise minutenlanger Werbebeiträge die sich dank der hohen Wiederholungsrate gut zum Lernen eignen.

Ein jeder solcher Spot beinhaltet, auf mehr oder weniger subtile Weise, das offizielle Motto 同一个世界 (Tong2 yi1 ge shi4 jie4) – 同一个梦想 (Tong2 yi1 ge meng4 xiang3) – Eine Welt, ein Traum.
Für die in einer Gesellschaft Aufgewachsenen, die Individualität betont, mag die Betonung der Einigkeit typisch für die VRC sein, das (auch kulturell verankerte) Bestreben der Administration nach Harmonie ist hierin reflektiert. Aber würden wir nicht eher für eine Vielzahl von Träumen plädieren, so dass sich jeder verwirklichen kann? Dies kann ein Trugschluss sein. Utopien, da gibt es nur eine Hand voll. Wünsche und Hoffnungen bestechen durch ihre intrinsische Diversität. Aber der größte Traum, den wir doch teilen in Kleinen wir im Großen, das letzte Ziel, dass es anzustreben gilt, ist der Frieden. Dass dieser nicht mit Fairness oder Selbstaufgabe einhergehen muss,muss man keinem erklären.

Glücklicherweise musste China nicht die letzten Spiele austragen. Ob der terroristischen Drohungen wäre die Jahreszahl ein äußerst schlechtes Omen gewesen, auf Grund der annähernden Homophonie von si4 (Vier) und si3 (sterben). Was im Westen auf Grund irgendwelcher Tempelritter die 13 ist, ist im Land der Mitte die Vier. Ich denke, die chinesische Argumentation ist eleganter.

Es gibt sogar einen offiziellen Schlacht/Jubelruf: Klatschen-“Aoyun”奥运-Daumen hoch- “Jiayou”加油-Klatschen-“Zhongguo”中国-Arme hochreißen-“Jiayou”加油. Erinnert an den spanischen Grand Prix Eurovision Beitrag (ChikiChiki).

Solange es 文明 (wen2 ming2) “zivilisiert” ist…
Für nicht Sinophile: “Olympia” – “Vorwärts” – “China” – “Vorwärts”. Vorwärts ist vielleicht eine etwa missglückte Übersetzung (zumal der Name einer deutschen Zeitung), tatsächlich hieße es “füge Anstrengung hinzu”. Naja, irgendwas Aufmunterndes halt. Chinesisch ist eine stark kontextbasierte Sprache.

Laut Li Ning, Vorsitzende des Beijing Etiquette Institute (dass es so etwas gibt!) verbindet diese uniforme Anfeuerungspraxis “Gesten und Worde zu einer geschmeidigen, fließenden Bewegung”. Mal sehen, wohin Zhongguo fließt.

*An alle BILD-Leser: Die BBC ist kein staatlicher Sender, auch wenn das im Artikel zur (implizierten Nicht-)Aufhebung der Sperre für einige Websites in China so behauptet wird.

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13 Responses to “Ein gemeinsamer Traum”

  1. Benni said

    Ich verstehe sowieso nicht so ganz, warum man sich über die Chinesen so aufregt. Tibet ist ein großes Thema, ich will im Moment kein Tibeter sein, der ständig mit der quasi Heimatlosigkeit zu kämpfen hat; Menschen- und Grundrechte, okay. Aber irgendwie scheint es in der Genetik der westlichen Welt zu liegen, andere Staaten partout systematisch zu verurteilen.
    Andererseits wiederum sage ich mir, ist China inzwischen die Großmacht schlechthin und vor hundert Jahren hätten die locker noch den Sinozentrismus verwirklicht, wenn das nicht grad in den Umbruch gekommen wäre. Ein bisschen erleben die Chinesen dann wohl auch noch die Folgen der raschen Industrialisierung, die ja nicht nur irgendwo eine Gesellschaft dazu zwingt, drastisch zu werden – nicht, dass das eine Entschuldigung wäre.
    Aber muss man eine Nation, die gerade dabei ist, sich über die wirtschaftlichen Linien hinaus zu öffnen, derartig ins Fegefeuer der Kritik schicken? Muss man wirklich wieder mit dem Kommunistenspaten ankommen und erstmal wieder Schmutzberge wälzen? Warum sind die Leute der Meinung, die bösen Chinesen würden auf einmal ihr ganzes Maniement aufgeben, nur, weil ein paar Amis ihre Stadien besuchen wollen? Natürlich besteht Veränderungsbedarf.

    Ich finde aber auch Poesie in den Schrullen des fremdernannten chinesischen Octroyé. Was ist falsch an einer Gesellschaft, die die Disziplinierung in den Händen des Staates belässt? Für uns Westmenschen (klingt wie ein Barbarenstamm ._. ) mag das nicht nachvollziehbar sein, obwohl wir seit Jahrhunderten mit einer elitären, etiquettierten Upper-Class-Gesellschaft leben, die sich kurzerhand selbst diszipliniert; bei den Asiaten ist diese Etiquette eben offen dargelegt und wie es sich für die Staatsordnung gehört, für jeden verbindlich. Ist es nicht auch so, dass Uniformität und Etiquette tief in der chinesischen Volkskultur verhaftet ist? Individualität gründet sich oft im Stillen, auch unter den Drachenbärten uralter Greise in Mandarin-Jacket und Erhu auf dem Knie. Oder auf einer Bühne, auf der sich hunderte Chinesen synchron bewegen. Das macht es nur einfacher, die Individualität zu erkennen, wenn sie denn existiert.
    Überhaupt sollte sich eine Gesellschaft, in der Individualität eine beargwöhnte Randerscheinung ist, doch bitteschön zurückhalten, nach der Klausel auf dem Papier zu schreien.

    Vielleicht klingt das auch alles zu tröstlich und versöhnlich, wenn man über ein Land spricht, dass die Freiheit der Medien mit Füßen tritt und nicht zuletzt mit Kidnerarbeit blüht, allerdings haben fast ausnahmslos alle Nationen Ewigkeiten gebraucht, um den demokratischen Grundgedanken in sich aufnehmen zu können. Das kann man keiner Kultur intravenös verabreichen und dann heftig drüberrubbeln – so zu sehen vor knapp 80 Jahren in Deutschland, heute im Irak.

    Irgendwie find ich deine Beiträge ziemlich tiefgründig. Es ist auch toll, dass man sich einiges zweimal durchlesen muss, um hinter die Aussage zu steigen. Und irgendwie schaffst du es, die Themen mit einem ehrfurchtseinflößenden Feingefühl zu behandeln.
    Im Übrigen bekomm ich, wenn ich über dieses Thema lese und auch ein wenig spreche, sofort Lust, ein kompaktes Buch über die chinesische Kulturgeschichte zu lesen, eine Erhu in die Hand zu bekommen und auch ein wenig Mandarin zu lernen. Ich sollte meine Interessenfelder beschränken.

  2. taohuayuan said

    Interessanterweise (aber nicht überraschend) ist die Tibetfrage kein Thema, welches tatsächlich kontrovers diskutiert wird. Emotionalität hat hierbei ein immenses Momentum, nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass man mit der Minderheit besser sympathisieren kann und dem unschuldigen Charme des Dalai Lama zu verdanken, dessen Religion im Westen mit einem hohen Maß an Romantik bedacht wird und viele NewAge-Anhänger sich einem Synkretismus aus Buddhismus und Wicca verschrieben haben. Und sobald eine Bewegung die Unterstützung von Hollywoodstars erhält, sind Gegenpositionen sowieso gestorben.
    Die Realität, die irgendwo zwischen westlicher politischer Korrektheit und chinesischer Propaganda liegt und die auch ich nur approximieren kann:
    – die Frage, ob ein Gebiet für lange Zeit unabhängig war, ist irrelevant für aktuelle Ansprüche
    – 1950 Invasion Tibets durch China
    – 1959 scheiterte eine Revolte der tibetischen Feudalherrn, Exilgang des Dalai Lama
    – die einfache tibetische Bevölkerung lebte vorher unter oppressiven Bedingungen, derer auch die KPCh nicht fähig wäre
    – Rechteverlust war nur für die herrschende Klasse gegeben, zu der auch die Institution des Dalai Lamas gehört
    – Zerstörung der Kulturgüter fand zweifellos statt, aber mittlerweile hat Tibet eine höhere Produktion an kulturellen Erzeugnissen als je zuvor, ob die Einschränkungen durch Armut und Verbot der Meinungsfreiheit ein vergleichbares Problem darstellen ist fraglich
    – während der fehlgeleiteten Reformphasen war Tibet ebenso betroffen wie alle anderen Provinzen
    – “Free Tibet” schießt weit über das Ziel hinaus, vielmehr wird von der “Autonomen Region” der Status einer “Besonderen Administrativen Region” (ich bin sicher, das heißt im Deutschen anders) wie Hong Kong angestrebt.

    Russland dagegen ist ein Land, das kaum weniger Menschenrechtsverletzungen zu verantworten und eine extremere Diskrepanz zwischen Arm und Reich vorzuweisen hat, kann sich mit dem Iran einlassen, ohne dass sonderlich viele Augenbrauen in die Höhe gehen und welches erst milde Kritik erfährt, wenn ein Ex-Spion auf skurrile Weise umkommt.

    China hat sich gewissermaßen mit der Verantwortung für das Ausrichten der Olympischen Spiele in das eigene Fleisch geschnitten (das kommt häufig vor, Stichwort Kulturrevolution).
    Alle blicken auf das Land, aber leider nicht nur während der eindrucksvollen Macht/Kulturdemonstrationen aka Zeremonien, sondern auch, wenn es um Kollaborationen mit afrikanischen Diktatoren geht. (Übrigens ist Deutschland einer der Hautlieferanten für die PLA, die chinesische Volksbefreiungsarmee.)
    Die Chinesen sind ein so negativen Medienecho nicht gewohnt und auch in der Führungsschicht spielt schlicht Angst eine Rolle. Es gibt auf dem Internationalen Parkett keine Speicherpunkte, GameOver ist GameOver.
    Desweiteren wird allzu oft die “Gelbe” oder “Rote” Gefahr beschworen, je nach dem, ob man die Ethnizitäten oder Ideologie abwerten und zum Feind stilisieren möchte. Dabei geht wohl weder vom chinesischen Volk noch von der Ideologie an sich aus, das Problem liegt eher in unvermeidlichen Interferenzen, Korrekturversuchen (wie in der Fabel mit dem Affen als Schiedsrichter) oder der unglaublichen Naivität a la man könne in Hinterhoföfen hochwertigen Stahl produzieren.

    China hinkt trotz (oder gerade wegen) “Großer Sprünge” immer ein bisschen hinterher. (Man könnte auch der Ansicht sein, dass dies durchaus im aktiven Interesse kapitalistischer Staaten liegt und symptomatisch für das Vorgehen, andere Ideologien abzuschaffen).
    Wichtig ist auch zu beachten, dass das Gesellschaftliche Leben auf Reziprokalität beruht. Ein weit gespanntes Beziehungsnetz ist absolut essentiell. Familiäre Beziehungen (Aufopferung gegen gute Noten und spätere Versorgung), Geschäftbeziehungen, selbst Partnerschaften bestehen aus derartigen Beweisen der Gegenseitigkeit. Die Grenze zwischen guanxi (Beziehungen) und tanwu/fubai (Korruption) sind oft allerdings kaum erkennbar. Dass die Eliminierung von Übertretungen (wie des Arbeitsrechts, das es durchaus gibt) dadurch kaum möglich ist, sollte klar sein. Das Gegenstück dazu wäre das Sähen von Misstrauen innerhalb der Bevölkerung, aber das hatten wir schon, es würde China nur noch röter machen, und dann wäre dieses Karmin keine Glücksfarbe.

    Wo ist überhaupt Individualität, zumindest wie sie der westliche Bürger definiert? Im gewissen Sinne dürften viele Chinese durch die nötige Kreativität, um etwas aus dem Leben zu machen, individueller Sein, inbesondere wenn “die Berge hoch und der Kaiser weit weg” sind.
    Wenn dagegen hier einer ein Palituch umlegt, sein Taschengeld dem Fußballverein spendet, sich blass schminkt und ein Korsett von der Stange trägt, sich ein Tribal-Tattoo anschafft, das keck über dem pinken Tanga hervorlugt, seine Bildung aus der Bravo holt, oder alternativ “den ganzen Konsum” von sich weist und plötzlich links ist, anfängt über den Klimawandel zu jammern mit dem er täglich stundenlang im Fernsehen konfontiert wird (rhetorische Frage: wieviel Watt hat so ein Gerät eigentlich…?), angesichts des niedlichen Playboyhasens vor Rührung zerfließt, Gossenrap hört, etcetc. – würde ich meinen, dass ein kaum ein höheres Maß an Konformität gibt. (Ähm, sorry für die Suada.)

    Dein Kommentar zur intravenösen Verabreichung (möglicherweise ist auch die Dosis Demokratie im Westen nur subkutan gegeben worden…) erinnert mich an eine Satire von Kishon, in der er beschreibt, wie Israelis nach Pflichtimpfungen den Impfstoff durch Rubbeln wieder zu entfernen versuchen, da sie kein Vertrauen haben. In einem Jahr dann schließlich wurde, ohne ihr Wissen, ein Stoff entwickelt, der nur beim Einreiben seine Wirkung entfaltet. Ich lass das jetzt mal so stehen.

  3. Benni said

    Ich meine ehrlich gesagt auch, dass der Dalai mit der Tibetfrage viel mehr zu tun hat, als das eigentliche Problem. Das mag jetzt fast schon faschistisch klingen, aber die westliche Welt hat seit den 50ern einen leicht zu trügenden Gerechtigkeitssinn entwickelt; andernfalls wäre es nicht zur Krise im heutigen Israel gekommen und es würde auch niemanden interessieren, dass Frau Merkel den Dalai empfängt. Aber es ist fast schon eine ungeschriebene Tatsache, dass man den Opfern mehr gehör schenkt, als den politischen Tätern. Natürlich hat das Volk der Juden, das 1300 Jahren im Exil verbracht hat, einen eigenen Staat im gelobten Land verdient – aber die UN können doch nicht einfach im Nahen Osten rumrulen und dann den Moslems Vorwürfe machen, dass die nicht ohne Weiteres einverstanden sind. Genauso kann man sich nicht partout auf Tibets Seite stellen und sagen “Hey China, weg dort unten”. Klar sterben Menschen, klar ist es eine unheimliche Frechheit, den Leuten ihre Freiheitsrechte zu verwehren.
    Ich meine, seit das in den vorangegangenen Jahrzehnten so wunderbar nicht geklappt hat, sollte man mal schnell von der Holzhammermethode wegkommen.

    Konformismus (und das ist keine Suada, sondern die unabdingbare Wahrheit 😉 ) ist meiner Meinung nach sowieso nichts, was man in unserer Realität auf die große Weise anprangern sollte, dafür haben wir in ausnahmslos jeder Gesellschaft genug davon. Der Witz an der Sache ist ja auch, dass viele Menschen sich die Chinesen noch mit langen Zöpfen und Beinröcken vorstellen – wenn man die Welt so schön vereinfachen kann, ist es klar, dass man überall Konformität sieht. “Hey, lass doch die Konformisten dort stehen, die sind doch bescheuert – komm lieber zu uns! Du musst dich nur so denken und so leben wie wir und schon bist du ein Non-Konformist.”

    Ich denke übrigens schon, dass der westlichen Welt mittlerweile sehr viel an ihrer Demokratie liegt, auch, wenn man das selten angemessen verlauten lässt. Das Problem dabei ist eben, dass die unterschwellige Zufriedenheit (die jeder abstreiten wird – “oh nein! Das Rauchverbot haben wir der doofen Demokratie zu verdanken!”) dazu führt, dass man einfach nicht mehr nachvollziehen kann, dass auch andere Systeme durchaus ihre Berechtigung haben, bzw. von der Bevölkerung inzwischen durch und durch akzeptiert worden sind. Und hier haben wir wieder die Holzhammermethode, wie schon gesagt, Weimar und Irak…
    Zuletzt würde ich mich doch als chinesische Großmacht auch total in die Ecke getrieben fühlen, wenn mir jeder sagen will, was ich zu tun habe – das schreit doch förmlich nach Vertrauensentzug und Entmündigung und welcher Staat lässt das schon mit sich machen? Meinem bescheidenen Empfinden nach ist die Diplomatie im kleinen viel ausgereifter, als auf öffentlich-internationaler Basis. Das ist vorallem einer political correctness geschuldet, die ständig jemanden anklagen muss um zu zeigen, wie besorgt man doch um die Welt ist – und sei es Mr. CO2 oder eben gleich mal ganz China.

    Übrigens steht Russland mal wieder vollkommen aus dem Konzept. Das liegt aber vorallem daran, dass die USA bei denen eher mäßigen Erfolg mit der Weltpolizei-Spielkarte haben. Allein, wenn man sich die militärischen Entwicklungen um diese und jene Raketenabwehrtechnik im europäischen Raum anschaut, stehen wir wieder nur ein paar Schritte entfernt vom Kalten Krieg.
    China in der Welt hingegen ist da wie die Türkei in Europa: Wir wollen dich nur, wenn du unsere Forderungen erfüllst.

    China ist sicher nicht das Opferlamm der Situation, allein, ich denke, die Probleme werden noch oft genug angesprochen werden. Aber dem Land der Mitte die Pistole an den Kopf zu halten und loszuplaudern, wird die Situation sicherlich nicht entschärfen.

  4. taohuayuan said

    “Das mag jetzt fast schon faschistisch klingen” Es ist ein beachtenswertes Phänomen, dass heutzutage Menschen in einer Diskussion ihre eigene Position entschuldigend (sic!) mit bestimmten Ideologien vergleichen, oder aber, wenn jemand auf der offiziellen, politisch (vermeintlich) korrekten Linie bleibt, als Gutmenschen bezeichnet werden.

    “Natürlich hat das Volk der Juden, das 1300 Jahren im Exil verbracht hat, einen eigenen Staat im gelobten Land verdient” Ich finde es auf eine traurige Weise interessant, dass der Patriotismus US-Politiker daran gemessen wird, ob sie Israel unterstützen.

    “Allein, wenn man sich die militärischen Entwicklungen […] anschaut”
    Ein für mich sehr erstaunlicher Fakt am Rande – das deutsche Militärbudget beträgt (2007) ca. 38 Mrd. Dollar, signifikant mehr als Russland und nur marginal weniger als das chinesische (etwa so doppelt hoch wie die Kosten für Olympia). Was zur Hölle macht die Bundeswehr damit?!

    “Wir wollen dich nur, wenn du unsere Forderungen erfüllst.”
    Gut, es ist nunmal der Sinn eines Bündnisses (ob nun international oder in einem Staat), Zusammenarbeit und gegenseitige Absicherung zu ermöglichen. Dass solche “Grüppchenbildung” nicht gerade den Weltfrieden wahrscheinlicher macht, ist nichts Neues.

    “Das Problem dabei ist eben, dass die unterschwellige Zufriedenheit […]” Und eben diese ist es, die die Leute faul werden lässt, sodass sie sich nicht mehr politisch einbringen, wodurch das Konzept der Demokratie ins Absurde gezogen wird, sodass sich Ressentiment gegen diese Staatsform aufbaut. Politikverdrossenheit kommt nur von denen, die zu träge sind zu begreifen, dass auf “die da oben” schimpfen das Sinnloseste ist, was ein Bürger einer Demokratie tun kann. Und schon werden sie in einen Strudel gezogen, der sobald das Zentrum erreicht ist, echtem Faschismus Vorschub leisten kann. Aber diese Verdrossenheit lässt sich polemisch gut verbreiten.

    Vor diesem Hintergrund: Es scheint im Rückblick (und schon das ist bereits mit Kulturarroganz verbunden), dass vorangegangene Generationen alle jeweils einem bestimmten, die Geschichte prägenden Irrtum unterlagen. Nun, die Leute haben eben Demagogen und Diktatoren zugejubelt. Was in unserer jetzigen Gesellschaft die Ideologie, die am unbemerkt Gefüge nagt?

  5. Benni said

    “Es ist ein beachtenswertes Phänomen, dass heutzutage Menschen in einer Diskussion ihre eigene Position entschuldigend (sic!) mit bestimmten Ideologien vergleichen, oder aber, wenn jemand auf der offiziellen, politisch (vermeintlich) korrekten Linie bleibt, als Gutmenschen bezeichnet werden.”
    Nunja, man muss meiner Meinung nach die Position zumindest in eine bestimmte Richtung schieben. Heutzutage geht man bei einer Diskussion immer davon aus, dass der Gegenüber über alles eine fundamentale Meinung hat – bei Israel beispielsweise liegt meine Sympathie auf der Seite des jüdischen Volkes, allerdings hab ich auch Verständnis für die Moslems. Beide Seiten kämpfen mit Waffengewalt um das Gebiet – es kann erst dann zu einem Konsens kommen, wenn die Menschenverachtung aufhört und der Hass in den Hintergrund tritt. Bis dahin hab ich auch keine feste Meinung dazu, wer nun im Recht ist.
    Eben diesem Vergleich der Ideologien (eben weil man anscheinend nur eine Meinung haben darf oder so) zwingt einen förmlich dazu, das Gesagte immer einzuklammern.

    “Ich finde es auf eine traurige Weise interessant, dass der Patriotismus US-Politiker daran gemessen wird, ob sie Israel unterstützen.”
    Ich finde es weitaus trauriger, dass man den Patriotismus eines Menschen überhaupt misst. Liebe zum eigenen Land ist trügerisch.

    “Was zur Hölle macht die Bundeswehr damit?!”
    Nunja, ich finde schon, dass die Hilfe der Bundeswehr im Ausland sehr wichtig ist, das wird auch nicht gerade billig sein. Sicher frisst auch die Wehrpflicht Übermengen an Geld (wenn du mal überlegst, was allein ein einziger Offizier für die erweiterte Verpflichtung verdient, was er dann noch an Studien- bzw. Ausbildungs-, Lebens- und Bonusunterhalt bekommt…). Außerdem müssen die ja die 5 Billionen Erfassungsinformationen, Einzugsformulare, Personenakten, Broschüren (davon bekommt man in der Regel 5 vor und 5 nach der Erfassung, zumindest wars bei mir so), Zeitschriften (die haben doch echt 3 verschiedene Zeitschriften) und die unzähligen Angestellten in den KWEAs… Im Nachhinein ist es fast ironisch, dass die am Essen sparen.

    “Gut, es ist nunmal der Sinn eines Bündnisses”
    Gerade bei China finde ich das aber mehr als destruktiv. Der Kindergarten der Großpolitik zeigt doch nur wieder, dass er nur mit denen spielt, die auch schön brav sind. Man kann aber weder Staat noch Kind die Integration erschweren und gleichzeitig fordern, dass er/es sich bessert.

    “Politikverdrossenheit kommt nur von denen, die zu träge sind zu begreifen, dass auf “die da oben” schimpfen das Sinnloseste ist, was ein Bürger einer Demokratie tun kann.”
    Da hast du sicherlich recht. Allerdings bedeutet das nicht, dass der Gedanke der Demokratie seine Wurzeln verlieren würde, es ist nur eben so viel einfacher, die anderen wählen gehen zu lassen. Dass das ein Fehler ist, sollte klar sein.

    “Was in unserer jetzigen Gesellschaft die Ideologie, die am unbemerkt Gefüge nagt?”
    Das namenlos-menschliche, dass auch der Kern der vorrangegangenen Irrtümer war: Verbohrtheit. Hass ist in der Politik ein starker, aber vermeidbar oberflächlicher Faktor, das Problem ist, dass dieser Hass fast ein bisschen pandemisch ist und seit Menschengedenken wütet. Das wiederum zeugt daher, dass der Mensch von vornherein wunderbar Pauschalisieren kann; alle Juden sind geizige Diebe, alle Amerikaner gehirnamputierte Puritaner, alle Moslems Terroristen, alle Migranten Schmarotzer, alle Heiden müssen mit allen Mitteln bekehrt werden, alle Sophisten gehören verbrannt, alle Metöken verjagt…

    Ideologien haben gemeinsam, dass sie mit Menschenmassen, nicht mit Individuen hantieren, schon von Anbeginn der Zeit und die Zukunft wird dieses Merkmal auch nicht austreiben. Deshalb ist China auch der größte Buhmann, gleich hinter Islam und Korea und deshalb bleiben wir auch noch eine ganze lange Weile die Nation, die vor gut 60 Jahren 60 Mio. Juden der Shoa ausgesetzt haben.

  6. taohuayuan said

    “Nunja, ich finde schon, dass die Hilfe der Bundeswehr im Ausland sehr wichtig ist, das wird auch nicht gerade billig sein.” Das ist klar, aber immerhin ist das deutsche Budget auch höher als das von Staaten, die weitaus präsenter sind, im Irak oder Afrika. Katastrophenhilfe ist bei weitem billiger als Kriegseinsätze.

    “Ich finde es weitaus trauriger, dass man den Patriotismus eines Menschen überhaupt misst.”
    Das ist eben das Skurrile daran. Allerdings, “Vater”landsliebe kann noch ganz sinnvoll sein (zumindest, wenn jemand Politiker werden möchte), Stolz und Nationalismus dagegen in der Konsequenz immer destruktiv. Apropos Massenbewegung: Für viele Menschen sind Popstars und Diktatoren, denen sie anhängen, gleichzusetzen. Sie salutieren sich in einen Wahn, über den man mit genügend Abstand (den niemals es Mensch haben kann) lachen könnte, wenn er nicht unvermeidlich zu den blutigen Revolutionen und mörderischen Ausartungen der Geschichte geführt hätte.
    Das Denken in peer-groups und der Antagonismus zu den Wesen, denen gegenüber man nicht aus pragmatischen Gründen zum Altruismus verpflichtet ist, ist eine biologische Gegebenheit. Einige Utopisten rufen daher nach einem “neuen Menschen”. Und genau das, um auf China zurückzukommen, wollte Mao. Ebenso war aber auch sein egozentrischer Patriotismus, sein Glaube, nur er hätte das Patentrezept für Kommunismus, Grund für seinen “Fall” und die Grundlage der Idee, man könne einem Land nur Fortschrift bringen, in dem man sich von Zeit zu Zeit eine neue Schicht sucht, die man ausradieren könnte, erst die Landbesitzer, dann die Intellektuellen, und wer übrig bleibt kann nicht einmal von den Früchten seiner Feldarbeit leben.

    “Broschüren (davon bekommt man in der Regel 5 vor und 5 nach der Erfassung, zumindest wars bei mir so)” Ich bekomme immer noch, nach meinerseits drei Emails und einem Anruf, jede Menge Infomaterial geschickt, obwohl ich niemals meine Adresse mitgeteilt habe und aus offensichtlichen Gründen auch nicht unter die Wehrpflicht falle. Lernfähig ist der Bund jedenfalls nicht. China könnte es übrigens gar nicht finanzieren, wenn jeder Wehrfähige auch eine militärische Ausbildung erhielte. Die haben genügend Freiwillige, so dass es eine Wehrpflicht de facto nicht mehr gibt.

    “Der Kindergarten der Großpolitik..”
    Und wer seinen großzügigerweise ausgeteilten Haferbrei nicht isst, bekommt es mit der Erzieherin zu tun.

    ““Gut, es ist nunmal der Sinn eines Bündnisses”
    Gerade bei China finde ich das aber mehr als destruktiv.”
    Ich hatte diesen Satz auch mehr auf die Türkei bezogen.

  7. Benni said

    “Katastrophenhilfe ist bei weitem billiger als Kriegseinsätze.”
    Da magst du recht haben. Wahrscheinlich ist das auch der Bürokratiekram, der so viel frisst (oder eben wirklich die Versorgung der Wehrpflichtigen, wie gesagt, das sind Unsummen). Im Endeffekt könnte man das Geld wirklich effektiver einsetzen.

    “…und wer übrig bleibt kann nicht einmal von den Früchten seiner Feldarbeit leben.”
    Das ist auch das, was ich am Kommunismus nicht so ganz verstehe: Warum ist es nur einer Bevölkerungsschicht gestattet, zu herrschen? Ich mein, es funktioniert, und das sicher besser, als Diktaturen und Despotismus (wobei wir natürlich wissen, wie schmal der Grat zwischen Kommunismus und Diktat ist).

    “Die haben genügend Freiwillige, so dass es eine Wehrpflicht de facto nicht mehr gibt.”
    Das ist wahrscheinlich auch ein bisschen dem Patriotismus geschuldet, der hier sogar relativ positiv zu werten ist.
    Um auf das Thema nochmal zurückzukommen: Natürlich ist die Liebe zum eigenen Land eine sehr wichtige, denn anders kann man auch keine Demokratie aufrecht erhalten. Aber man sollte sich den Gesetzen verpflichtet fühlen, nicht seiner Zugehörigkeit. Das Grundgesetz ist – wie ich das glaube ich auch schonmal erwähnt hab ;P – etwas, das mich als Deutschen mit Stolz erfüllt. Ich weiß nicht, wieviele andere Verfassungen sich nicht als Verfassung, sondern als Grundlegung verstehen (der Konnotationsunterschied ist enorm) und in denen die Grundrechte absoluten Vorrang vor den anderen Artikeln haben, die auch direkt dort festgehalten sind.
    Aber was soll ich denn stolz darauf sein, dass ein Deutscher den Teebeutel erfunden hat, oder die Preußen tolle Reformen hatten (die in anderen Ländern schon 150 Jahre zuvor eingeführt worden waren), was bringt mir Stolz darüber, dass … ach ich weiß nich, worauf ist so ein Patriot eigentlich stolz, weiß der das selber?

    “Ich bekomme immer noch, nach meinerseits drei Emails und einem Anruf, jede Menge Infomaterial geschickt, obwohl ich niemals meine Adresse mitgeteilt habe und aus offensichtlichen Gründen auch nicht unter die Wehrpflicht falle.”
    Das gefällt mir sowieso nich so ganz, dass die über das Einwohnermeldeamt einen Haufen Zeug über mich erfahren dürfen. Noch affiger ist aber die Personenkennziffer – da ist mein Geburtsdatum, meine Staatsangehörigkeit und bestimmt noch irgendwas Verschlüsseltes über meine Genetik enthalten. Kennziffern sind doof.
    Im Übrigen hab ich von der Zivildienststelle nur einen Brief und ein Infoblatt für den weiteren Verlauf erhalten. Der Bund hätte mir das sicher in 5 Seiten mehr mitgeteilt (die 2 überflüssigen Broschüren über die Alternative der Offizierslaufbahn noch nicht eingerechnen).

    “Ich hatte diesen Satz auch mehr auf die Türkei bezogen.”
    Ich weiß schon ;). Nur sind beides Staaten, die sich dem Westen öffnen wollen und dafür erstmal eins vor den Latz bekommen, das ist doch affig.

    ““Der Kindergarten der Großpolitik..”
    Und wer seinen großzügigerweise ausgeteilten Haferbrei nicht isst, bekommt es mit der Erzieherin zu tun. ”
    Es ist verblüffend, wie unheimlich passend sich manche Metaphern manchmal erweitern lassen ;P.

  8. taohuayuan said

    “wobei wir natürlich wissen, wie schmal der Grat zwischen Kommunismus und Diktat ist”
    Zumindest im Leninismus ist diese Distinktion begrifflich nicht vorhanden: Diktatur des Proletariats.
    Ich will hier nicht das apologetische Argument “Die Analyse (Marx’) ist unübertrefflich, aber die Synthese historisch fehlgeleitet” aufwärmen, aber ein der Hauptgründe, warum die Etablierung des Kommunismus so aggressiv und allumfassend blutig (und letztendlich erst einmal erfolglos) verlief (obwohl die treibenden Kräfte sicherlich oft eine Verbesserung anstrebten), ist, dass zur Einführung immer eine Revolution nötig war. Diese wird in der Regel von einer Minderheit, i.e. gar nur einer charismatischen/skrupellosen Persönlichkeit (Mao Zedong, Pol Pot, Lenin, mehrere Beispiele in Südamerika und Afrika sowie nach mancher äußerst fragwürdigen Argumentation sogar Hitler…) angeführt. Radikalität ist bei diesem Vorgehen unabdingbar und die Übersteigerung der Ziele allemal. Dieser Aufruf zur Gewalt findet sich bereits im Kommunistischen Manifest (aber sie ist keine FOLGE, sondern eigentlich die GRUNDLAGE, nicht der Ideologie, aber des darauf basierenden Systems). Aber welche alternativen Vorgehensweisen hätte es in diesen Beispielfällen gegeben – ein “vernünftiger Diktator” (was man absolut keinem zutrauen kann) oder eben das Warten auf den vorausgesagten “Zusammenbruch des Imperialismus” (der vielleicht erst nach der Klimakatastrophe or dem Nuklearkrieg kommt ;-P ). Ein Wechsel der Ideologie geht mehrheitlich mit einem Schubs der Bevölkerung vom Regen in die Traufe einher. Und nicht zu vergessen: die Antifa prügelt sich genau gern wie die braune Fraktion.

    “bei Israel beispielsweise liegt meine Sympathie auf der Seite des jüdischen Volkes, allerdings hab ich auch Verständnis für die Moslems”
    Verständnis für “die Muslime” kann ich nicht wirklich aufbringe (weil religiöser/kultureller Clash in der Region auf eben dieser Identifikation beruht), zumindest ist nach die selbe Unterscheidung zu treffen wie du sie anscheinend zwischen dem Konstrukt/der Regierung Israel und dem Volk getroffen hast. Es geht um die Menschen, nicht um ihre Weltanschauung. Aber beispielsweise der Iran will Israel auslöschen, weil er es für einen Schandfleck auf der arabischen Landkarte hält, nicht etwa, weil sein Territorium eingeschränkt wurde.

    “wie ich das glaube ich auch schonmal erwähnt hab ;P” o.O Unzählige Male.

    “Das Grundgesetz ist […] etwas, das mich als Deutschen mit Stolz erfüllt.” Eigentlich könnte dich eine gute Verfassung auch mit Stolz erfüllen, wenn du nicht Deutscher wärst. Es gibt schon Aspekte, über die man Freude im weitesten Sinne empfinden kann, aber Stolz ist sicher nicht der richtige Begriff. Dem Patriotismus kann man dagegen nur im Anbetracht einer aktuellen Situation verschreiben, dann ist es der Wille, zum Gelingen der Gesellschaft beizutragen. Der Schritt zum Nationalismus, das Beschränken von diesem auf die eigene Nation (man hatte außerdem gar keinen Anteil daran, in welchem Land man nun geboren wurde…) auf Gedeih und Verderb der Anderen, ist aber wie schon geklärt klein. Der in aktuellen Diskussion (US-Präsidentschaftswahlen etc.) verwendete Patriotismusbegriff scheint aber zu keiner Definition vollständig zuordbar zu sein…?

    “andere Verfassungen sich nicht als Verfassung, sondern als Grundlegung verstehen und in denen die Grundrechte absoluten Vorrang vor den anderen Artikeln haben, die auch direkt dort festgehalten sind.” Das hält trotzdem Politiker nicht davon ab, über Maßnahmen zu diskutieren, die diese (temporär) einschränken würden. Weiterhin werden gewissen Gruppen Privilegien eingeräumt, die die Gleichheit ad absurdum führen. Diese beruhen allerdings nicht auf dem Wortlaut des GG, sondern der Interpretierbarkeit von Begriffen wie “Familie” “Recht auf Leben” oder “Berufsfreiheit”.

    “Es ist verblüffend, wie unheimlich passend sich manche Metaphern manchmal erweitern lassen ;P.”
    😉

    “das ist doch affig.”
    Der Darwinismus ist damit wohl endgültig bewiesen.

    “…was bringt mir Stolz darüber, dass…”
    Zwei Dinge könnte man damit anstreben: A. das Eingliedern in eine Gruppe, B. Beruhigung des “historischen Gewissens” nach dem Motto “Wer etwas findet, auf das er stolz sein kann, darf es behalten.” Deswegen rennen doch auch noch heute junge Leute regelmäßig ein paar mal im Jahr mit Bannern rum, welche beschriftet sind mit “Mein Opa war kein Mörder” etc. – nur mal EIN naheliegendes Beispiel. :-/

  9. taohuayuan said

    Nur als Anmerkung: Weder Marx noch Hitler sollten ein Smiley bekommen. Nunja. Vom semantischen Web 3.0 sind wir noch weit entfernt.

  10. Benni said

    “Es geht um die Menschen, nicht um ihre Weltanschauung.”
    Das ist der Punkt bei der Sache. Der Witz am Krieg ist ja auch, dass, wenn die Araber ihre Waffen niederlegen, wird es den Krieg nicht mehr geben; wenn aber die Israelis das tut, wird es Israel nicht mehr geben.
    Mein Verständnis den Arabern gegenüber besteht aber insofern, dass die UNO sich damals in ihre Angelegenheiten eingemischt hat, was aus westlicher Sicht zwar fair war, den Konflikt mit dem Nahen Osten aber unheimlich angeheizt hat. Natürlich handeln die Araber nun falsch, indem sie Israel bekriegen, für sie ist das aber ein eindeutiger Einschnitt in ihre Interessen und das lässt kein islamistischer Staat auf sich hocken.
    Rein ideologisch steckt der Islam noch in den Kinderschuhen. Und wenn man ihm eben seinen Teddy wegnimmt, dann plärrt er. Dass er das mit Waffengewalt tun würde, muss den Väternationen klar gewesen sein.

    “Eigentlich könnte dich eine gute Verfassung auch mit Stolz erfüllen, wenn du nicht Deutscher wärst.”
    Das war eigentlich der versteckte tuyau hinter der Ausführung. Allerdings hast du wohl recht “Stolz” ist nicht ganz das richtige Wort.

    “Das hält trotzdem Politiker nicht davon ab, über Maßnahmen zu diskutieren, die diese (temporär) einschränken würden.”
    Sprichst du da das brandneuste BigBrother-Syndrom an? Ich frag mich, was der Mann erwartet. Deutschland ist inzwischen für Erpressbarkeit bekannt, hält sich aus dem Krieg raus und hat sowieso keine feste Position. Man kann einen sicheren Staat (und nach den derzeitigen Maßstäben sind wir sicher) nicht sicherer machen, indem man Gesetze effektiv entdemokratisiert. Wer weiß, was Herr Minister auf dem Schreibtisch liegen hat, aber Atombombenpläne werdens ja wohl nicht sein.

    “Diese beruhen allerdings nicht auf dem Wortlaut des GG, sondern der Interpretierbarkeit von Begriffen wie “Familie” “Recht auf Leben” oder “Berufsfreiheit”.”
    Nunja, ich finde aber, dass unsere Rechtsgrundlagen zum Thema Recht auf Leben eindeutig sind. Berufsfreiheit ist stets relativ, auch, wenn das dem Begriff nun wirklich nicht entgegen kommt.
    Was die Familie angeht, so bin ich zweigeteilt. Allein Überlegungen anzustellen, die Familienplanung durch Zuschüsse und Prämien mitzugestalten, ist politische Perversion. Andererseits kann ich trotz allem Verständnis’ die Bedenken zwecks des Lebensstils nachvollziehen, denn trotz aller gebotener Toleranz und Offenheit, wie es sie immernoch nicht gibt, sollte das traditionelle Familienbild gewahrt bleiben. Ich befürworte beispielsweise die gleichgeschlechtliche Ehe oder die Gleichstellung Homosexueller bei der Adoption, aber eine vollkommene gesetzliche Gleichstellung aller Partnerschaftsarten würde meiner Meinung nach ein falsches Bild vermitteln.

    “… – nur mal EIN naheliegendes Beispiel.”
    Das Problem an Stolz ist, dass er von vornherein verletzbar ist. Bei uns Deutschen führt das zu Betretenheit wenn es um unsere Geschichte geht, im Nahen Osten zu Gewalttaten in China beispielsweise sicherlich sehr zu einer noch festen Klammerung an die eigene Ideologie. Ich denke, wir würden unsere Probleme viel besser lösen können, wenn wir uns von unserem Stolz lösen könnten.

  11. taohuayuan said

    “Nunja, ich finde aber, dass unsere Rechtsgrundlagen zum Thema Recht auf Leben eindeutig sind.” Die Rechtslage ist natürlich eindeutig. Darin liegt aber der Witz: Im Gegensatz zum GG ist diese veränderbar, vom Zeitgeist abhängig. Weiterhin wird in der öffentlichen Diskussion gern mit Alternativinterpretationen um sich geworfen und jeder fühlt sich natürlich im “Recht”. (siehe Abtreibungsdebatte, Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitslosenzahl, usw.)

    “gleichgeschlechtliche Ehe” Keine Homo-*Ehe*, sondern nur “eingetragene Partnerschaft”.

    “aber eine vollkommene gesetzliche Gleichstellung aller Partnerschaftsarten würde meiner Meinung nach ein falsches Bild vermitteln.” Welches falsche Bild das Recht auf Witwenrente, Besuche, Steuerminderung, Elternzeit etc. vermitteln sollte, ist mir allerdings schleierhaft…Ansonsten aber Zustimmung (wenn wohl auch aus anderen Gründen).

    Interessehalber: Was ist “das traditionelle Familienbild”?

    “Ich denke, wir würden unsere Probleme viel besser lösen können, wenn wir uns von unserem Stolz lösen könnten.”
    Stolz hängt eng mit Ehre zusammen. Während ein Angriff auf den Stolz den Betreffenden lediglich von “seinem hohen Ross herunterholt”, ist eine Ehrverletzung weitaus tiefgreifender und letztendliche gefährlicher für alle Beteiligten.

    “Und wenn man ihm eben seinen Teddy wegnimmt, dann plärrt er.”
    Um wiedermal eine Metapher zu ergänzen, vor Kurzem durfte ich in einer größeren englischen Stadt einer Demonstration von Muslimen beiwohnen. Zitat (gebrüllt): “We are the silent majority! We have been gagged, attacked…”

    “Bei uns Deutschen führt das zu Betretenheit wenn es um unsere Geschichte geht.” Dummerweise lautet für einige der Weg aus dieser Betroffenheit Leugnung oder gar Befürwortung…

  12. Benni said

    “(siehe Abtreibungsdebatte, Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitslosenzahl, usw.)”

    Nunja, zum Thema Abtreibung mag ich jetzt gar nichts beisteuern, wir würden uns nur wieder in neuen Abschweifungen verfangen (von China auf Abtreibung … das wäre mal was ._.” ). Aber “Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitslosenzahlen” musst du mir nochmal erklären, das klingt so … rabiat ;_;.

    ““gleichgeschlechtliche Ehe” Keine Homo-*Ehe*, sondern nur “eingetragene Partnerschaft”.”
    Da beispielsweise bin ich mehr als dafür. Erster wird eine vollkommene Gleichstellung auch dem Anliegen der Bewegung nicht nahe kommen und zweiter finde ich, sollte man gewisse Traditionen nicht zu weit belasten. Aber vor Staat und der Welt als Partnerschaft angesehen zu werden, hat jede Beziehung verdient, wenn sie es wünscht.

    “Interessehalber: Was ist “das traditionelle Familienbild”?”
    Für mich ist das äußert banal gesagt die Mutter,-Vater,-Kind(er)-Familie. Patchwork find ich schon wieder untraditionell, ganz zu schweigen von Polyamory oder eben gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Traditionalität bedeutet ja auch keine Absolution – es gibt genügend ‘traditionelle’ Eltern, die ihre Kinder verhungern lassen -, aber es bedeutet gesellschaftliche Sicherheit. Unsere tolerante Gesellschaft baut trotz allem auf eben diesem Familienbild auf. Mit allen Konsequenzen – eine davon ist Fortschritt, nicht Umbruch.

    “Zitat (gebrüllt): “We are the silent majority!…”
    Das ist tatsächlich paradox ö_ö”.

  13. taohuayuan said

    “Aber “Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitslosenzahlen” musst du mir nochmal erklären, das klingt so … rabiat ;_;.” Das ist es in gewissem Sinne auch. Ich meine einfach nur, dass das Zumuten (und letztendlich der Zwang, da ab einer gewissen Anzahl an Ablehnungen der Angebote die Zahlungen gestrichen wird) bestimmter Arbeiten für Arbeitslose eben der Berufsfreiheitsklausel im GG widerspricht. Ob das inakzeptabel ist, ist wieder eine andere Frage.

    “Anliegen der Bewegung nicht nahe kommen” Dem stimme ich zu. Gewisse Rechte (also eben Rente, Adoption) müssen aber gewahrt sein, sonst wäre es ein verlogenes Zugeständnis, um fortschrittlich zu wirken. Allerdings würde ich so weit gehen und sagen, dass eine eingetragene Partnerschaft auch heterosexuellen Paaren offen stehen sollte. Das ist ein bisschen wie die Pseudokontroverse um die “Ehe auf Zeit”, aber es würde wohl den aktuellen Entwicklungen nahe kommen. Wer nicht viel mit dem traditionellen Gefüge anfangen kann, hat dann in einer offenen Beziehung aber auch weniger Anreiz, treu (im weiteren Sinne) zu bleiben. Anders herum kann in einer Ehe (einfach der psychologischen Wirkung, die so ein “ewiges” Versprechen hat) zu Beengung kommen. Letztendlich plädiere ich für eine optionale Zwischenlösung.

    “aber es bedeutet gesellschaftliche Sicherheit.”
    Inwiefern?

    Dank des Stichwortes Traditionalität können wir auch wieder auf China zurückkommen…

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