Tingbudong – Oder: Akzentfreies Deutsch

August 21, 2008

Dank der Langzeit-Abwesenheit meiner Eltern (sturmfreie Bude, das kann man von Taiwan nicht behaupten) bin ich völlig für meine Ernährung verantwortlich. Ich koche nicht besonders gut (zumindest an deutschen Hausfrauenstandards gemessen, eine Prädikat, das ich nicht anstrebe), aber für Reis mit Gemüse oder Gemüse mit Nudeln reicht es aus. Oder, wie heute Mittag,  vietnamesische Tamarinden-Fisch-Suppe mit Okra (das schleimigste Gemüse der Welt, erinnerst du dich, Chris?). Tatsächlich ist meine Ernährung zu diesen Zeiten viel besser, denn meine Mutter scheitert regelmäßig am Zubereiten von Tiefkühlgerichten und lässt auch schon mal die Puddingpulveranrührplastikschüssel (man muss die deutsche Sprache einfach lieben!) auf der Herdplatte schmoren. Netterweise, um mir das Kochen zu ersparen, wenn ich halb 5 nach Hause komme, hat sie letztens 10 Packungen Instantbratnudeln gekauft, obwohl ich ihr schon nach der ersten Charge von 5 mal Currynudeln mein äußerstes Missfallen mitgeteilt hatte.

Jedenfalls fiel am Sonntag zur Mittagsstunde mein Blick auf den Flyer(soviel zum Thema Beeinflussbarkeit durch Werbung). Da das Angebot ganz interessante Pizzen ohne Fleisch beinhaltete (keine Selbstverständlichkeit, normalerweise wird immer irgendwelche Wurst draufgeklatscht, ohne diese ist der Belag ist die gleiche Gemüsepampe), beschloss ich, einen Versuch zu wagen. Zumal der Reis aufgeraucht aufgebracht aufgebraucht war.

Ok, Premiere. Pizza bestellen. Ich verhaspele mich gern am Telefon, sodass ich dieses Kommunikationsmedium mit wenig Enthusiasmus benutze, aber das ist nichts gegen das, was mich beim Anruf erwartete.

Mitarbeiter (laut, genuschelt): Hanbhhid jdinbb uuffh jijaf!!

Ich (nach verzweifeltem Versuch, die Begrüßung irgendeiner bekannten Sprache zuzuordnen): Äh. Hallo.

M(ungeduldig): Jijaf hanbhhid jdinbab uuffüh ye?

I(geistesblitzartig): Wer sind Sie?

M: Hm? Tutm bo! Seschel…

I: Bin ich hier richtig herausgekommen bei…

M (selbe Person!, unterbricht, vollkommen deutlich, genervt): Pizzadienst XYZ, ihre Bestellung bitte.

I(erstaunt): Ich hätte gern…

M: Haben Sie schon mal bei uns bestellt?

I: Ich glaube nicht.

M: Ihre Telefonnummer bitte.

I: Kleinen Moment, ich suche sie gerade.

Ab diesem Punkt verlief das Gespräch unspektakulär, wenn man von der Gesangseinlage* und auf das während des Suchvorgang abgelegten Telefon Klopfen meines Wellensittichs.** Ich befürchte, der Pizzatelefonist muss mich für ziemlich retardiert gehalten haben, da ich meine eigene Nummer nicht wusste. Aber wir haben erst vor 3 Tagen wieder (!) eine Neue bekommen. (Ich behalte grundsätzlich nur Telefonnummern im Gedächtnis, die ich nicht brauche.) Meine Handynummer kenne ich auch nicht (ich benutze das Mobiltelefon sowieso nur zum Spielen im Englischunterricht), aber das liegt daran, dass mein Vater immer wieder irgendwelche günstigen Deals abschließt und die SIM-Karten zwischen unseren fünf Handies rotieren (und zwei davon sind eh Hand-me-downs an meine Großeltern) sodass ich innerhalb der letzten 6 Monaten mindestens 8 verschiedene Karten hatte. Aber genug der Rechtfertigungen.

Ich wäre aber immer noch interessiert daran, herauszufinden, welche Sätze am Anfang der Konversation fielen. Kann man nicht von einem Bestellungen Entgegennehmenden erwarten, einigermaßen verständlich zu sprechen? Oder hatte durchlief der Mann gerade eine schwere Identitätskrise?

Dem Fahrer habe ich dann exakt 26 cent Trinkgeld in Zweicentstücken gegeben, da das von den 10 Euro für die Pizzas Pizzae Pizzen abgesehen, das einzige Bargeld im Haus war. Morgen gibts mal wieder selbstgemachte Nudeln, Mehl ist immer da (zur Not tuts auch eine Backmischung); Wasser auch (sofern es nicht mal wieder auf Grund der mangelnden Zahlungsmoral der Mitmenschen im Nebenhaus abgedreht wurde). Bin ich froh, dass ich die Tomaten und Kiwis eingefrostet habe, denn erstaunlicherweise wurde mein gesamter Frischobstkauf (von den 60% noch augenscheinlich unreif gewesen war) innerhalb eines Tages schlecht. Auch nicht mehr das, was es mal war.

*”Hallo?….Guuter Robby…Muttiliiiieeeb…Hallo?Hallo?Hallo? ….Giiiib Kussel….Kommt einer…..Hallo?…Arschloch….gute Nacht….Hallo?Hallo?…Kussel, na?…*schmatzschmatz*” Keine Manieren, dieser Vogel. L., sei froh, dass deine senile Schildkröte stumm ist.

**Lest den Satz zweimal, um Missverständnisse zu vermeiden. Ich habe nicht gesungen.

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2 Responses to “Tingbudong – Oder: Akzentfreies Deutsch”

  1. headshot said

    Ey, ist das ein Seitenhieb auf Immigranten?

    Zumal, soll ich beleidigt sein? Du lernst Chinesisch und so Zeug, warum nicht Russisch, imerhin hast dus versprochen.

    Geht bei dir die Schule wieder los? Ich bin richtig froh, den Scheis hinter mir zu haben. Na, du hast ja auch nur nochn Jahr, und dann erst mal PAARTYYY

  2. taohuayuan said

    Party? Du kennst mich doch. Ich habe ja nichts besseres vor ^.^
    Immigranten? Ich dachte diese Empfindlichkeiten hättest du schon längst abgelegt. Zumal der Pizzadienstmitarbeiter offenbar Sachse war.
    Russisch? Wenn ich pro Jahr eine Sprache beginne, dann ist Russisch in zwei Jahren an der Reihe.

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