“Todo idealismo frente a la necesidad es un engaño.”

October 15, 2008

Oder: Wie wir lernen, mit der Täuschung zu leben.

Ein Drama, das keinesfalls der Untergliederung in Akte würdig ist. Oder des Lesens. Die Problematik ist ja bekannt – keine Zeit…

Man stelle sich einen dunklen Raum vor, kein Lichtstrahl dringt hinein. Aber alles ist darin. Jeder Quant, dessen Prinzip unsere Vorstellung überwindet; jeder – abstruse, wie man uns sagte – Gedanke; jede Idee, die wir kaum festzuhalten wagten. Verloren, verwoben in Träumen treibt der Rest. Nun fehlt aber der Schlüssel für diesen Raum, gestern hatten wir ihn noch, aber irgendwie ist er verlorengegangen, verborgen unter einem Haufen Bücher oder Akten vielleicht, oder er hat nie existiert. Süßes Schwinden der Verantwortung. Wo sind wir, wenn nicht in der Welt?

Lustige Person ab. Realität betritt die Bühne (sie hat sich etwas verspätet, der Reißverschluss am Kleid klemmte)

Die Menschen krümmen sich. Sie krümmen sich, nicht wie ein Häkchen – das wäre ja keine Erwähnung wert – nein, auch kringeln sie sich nicht vor Lachen, nicht immer. Manchmal wollen sie aufhören vorwärts zu gehen, wollen sich auf den kalten Boden legen und die Zimmerdecke anstarren, als könnte die ihre Gebete erhören. Dabei ist sie doch nur aus Gips. Was kann man da auch erwarten. Da liegen sie nun, zusammengerollt wie die Embryonen, eigentlich bei weitem nicht so machtlos, aber mindestens ebenso schutzlos. Sie schwören sich, nie wieder eine Regung zu tun, das sei nicht richtig in “dieser Welt” – als wäre Welt ein Schimpfwort –  aber dann stehen sie doch wieder auf, nehmen ein heißes Bad, trinken Kaffee aus Porzellantassen und reihen sich wieder in die Maschinerie ein. An Inkonsequenz geht die Welt zu Grunde. Nun gut, das wäre auch ein verrücktes Bild, alle Menschen auf den Fliesen, friedlich wie Ungeborene. Aber in diesen Zeiten der Depression, der kleinen und großen Kämpfe mit der Existenz, welchen Wert hat dann das Leben noch – also unseres, das ganz eigene? Wir brauchen ein Ziel, als wäre allein durch unser Existieren eine inhärente Teleologie bedingt. Wenn wir keins finden – und das ist an sich schon erstaunlich, bedenke man die grenzenlose Kreativität und Skrupellosigkeit des Menschen – , dann basteln wir uns eines, manchmal mit Papier und Feder, manchmal mit Granate und Panzer, aber immer mit viel Elan.

Mensch auf. Realität legt sich eine Bleischürze um.

Wo aber ist der Sinn, was bleibt für mich?

Realität beginnt zu schluchzen, beruhigt sich bald darauf wieder. Ihr Make-Up ist verschmiert.

Dein Blut, heiß und hell rinnt es durch deine Adern. Was stellst du noch Fragen? Man sollte doch meinen, dass einer, der so viel Wert auf rationales Denken legt, sich der Unanständigkeit seiner Aufsässigkeit bewusst wäre. Die Leute leben ihren Trott, und dann sehen sie etwas, dass sie aufwühlt, nur für kurze Zeit. Und während sie noch ihrem Alltagsbeschaffungen nachgehen, merken sie, wie etwas sie überkommt, einhüllt, verlangsamt, lähmt. Dann wissen sie nicht, was sie tun sollen. Die Intuition veranlasst sie zu Selbstmitleid, der Geist zwingt zum Weitergehen. Ich kenne ja euch Menschen: Aufgerieben habt ihr euch an rostigen Gedanken, zitternd die Scherben in die Haut gerammt, bis das Blut nicht mehr durch eure Adern sondern auf den Boden floss, weil ihr ja nicht glauben konntet, dass wirklich was in euch drin ist. Nun ist es draußen, aber Aufklauben und Zurückschütten geht nicht mehr. Aufräumen müsst ihr aber schon, sonst rutscht der Nächste in der Lache aus. Wie unverantwortlich.

Lustige Person hat sich in den Vorhang gewickelt, als trüge sie eine Toga.

Marsch, vorwärts! Ihr wollt es doch nicht anders, ihr wollt doch individuell sein. (Salutiert.)

Realität lehnt sich an die Wand und schnürt den Gürtel enger, wohl um ihre Taille zu betonen.

Nein, an der Welt seid ihr nicht zerbrochen. Ihr zerbrecht an euch selbst.

Geburten sind mit Schmerzen verbunden. Doch was ihr unter Tränen hervorbringt, sind keine Ideen, keine Idealismen, sondern merkwürdige Kreaturen, mit Gliedmaßen, wo sie nich sein sollten, und einem Kopf unten. Ein ganz besonderes Merkmal ist, dass sie kein Rückgrat besitzen. Sie passen nicht in diese Zeit, eigentlich passen sie nirgens hin. Abgöttisch liebt ihr diese, und tauft sie “Mitleid”. Sie ähneln euch mehr als eurem Leid. Mit Anderen können eure Kopfkinder nichts anfangen.

Erst sehr spät wurde die Null in der Mathematik eingeführt. Wir sehen also: Der Sterbliche tut sich mit dem Nichts ziemlich schwer. Ich verurteile ihn daher auch nicht für seine Weigerung, seine eigene Nichtigkeit zu akzeptieren. Aber ich komme nicht umhin, über dieses offenkundige Paradoxon bestürzt zu sein.

Mensch stranguliert Realität. Lustige Person trägt sie zu Grabe und hält den Nekrolog.

Und hier stehen wir – am Abgrund der Irrationalität. Wer nun von Erde – nicht Asche, diese Zeiten sind vorbei – bedeckt wird, ist nicht nur die Wahrheit, sondern vielmehr unser Willen, zu Sehen, zu Handeln, zu Leben. Einatmen müssten wir sie, in unser Fleisch aufsaugen. Es wird schwer, nicht daran zu ersticken, aber einen Versuch kann jeder wagen. Kostet nicht mehr, als ihr zu geben bereit seid. Ist also fast gratis.

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