Soo desu nee!

November 22, 2008

Ich habe mich nun in meine Rolle als Krankenpflegerin im Dauerdienst gewöhnt. Will der eine einen Tee (“Halswohltee!…Den will ich nicht, der ist überlagert!” -“Meine Güte, es ist Tee, kein Fisch. Ich kann dir als Alternative Pu-Erh-Tee bieten, aber der nützt nix.”), ruft der andere nach einer Wärmflasche, oder einem technokratischen Heizkissen. Vier Äpfel habe ich gerieben, dabei haben zwei Mal diverse Finger schmerzhaften Kontakt mit der Metallreibe gemacht – ich bin offenbar doch nicht dermaßen lernfähig – drei Bio-Boskop und einen Red Delicious. Die Cherimoyas im Bioladen waren heute billig, so habe ich acht Stück vom Flaschenpfandgeld – was für eine Plastik- und letztendlich Erdölverschwendung, so häufig kommen doch Krankheitserreger im Leitungswasser  nicht vor, ich hab doch die letzten zwei Jahre auch überlebt – gekauft. Voraussichtlich werden die alle gemeinsam am selben Tag reif – das ist wie bei zusammenlebenden Frauen, deren Menstruation sich synchronisiert. Cherimoyafasten als Alternative zur Kartoffeldiät, das müsste man einer Frauenzeitschrift mal stecken. Vater hat den ganzen Magerquark mit seinem Halswickel aufgebraucht, die Kartoffeldiät könnte man so eh nicht mehr machen. Mutter meint, mein Lebenswandel wäre zu unregelmäßig, ich kann aber das Gegenteil beweisen, immerhin habe ich heute nur Holunderpunsch getrunken, das bezeugt eine gewisse Monotonie.

Mathe habe ich heute nicht ertragen können. Man stelle sich vor, ich würde für Mathe, oder überhaupt für die Schule annähernd soviel Zeit aufwenden wie für Sprachen oder anderweitige Freizeitbildung, ich würde selbst jetzt am Ende der 12.1 noch schaffen, meinen Abidurchschnitt auf 1,0 zu steigern. Wozu aber? Immerhin habe ich beim Betrachten meiner alten Zeugnisse – der Ordner musste mal ausgemistet werden, der ist mit gefühlten fünfzig Urkunden und Zertifikaten vollgestopft, auf eine nostalgische Weise traurig – eine erstaunliche Korrelation feststellen können. Je stressiger das Jahr oder je weniger für die Schule gelernt, desto besserer Durchschnitt.

Aber die Sätze! [Caution: I’m about to digress] Wie man doch andere Personen einschätzt, noch dazu Kinder: “Mit viel Freude besucht sie die AG Blockflöte”, “Viel Freude brachte sie Mal- und Bastelarbeiten entgegen.” Was mein Herz doch damals höherschlagen lassen gemusst haben! “In einzelnen Konfliktsituationen wurde sie einer Vorbildrolle noch nicht immer gerecht.” Wow, das erklärt auch meine spätere 2 in Betragen, wo alle anderen, die die Lehrer zumindest nicht bespuckten, doch eine 1 hatten… Bin ich froh, kein Vorbild zu sein. Oder doch? “Besonders geschätzt wurden ihre höflichen Umgangsformen gegenüber Erwachsenen sowie ihr bescheidenes Auftreten im Klassenverband.” Ich sags euch, das ist das schon angesprochene soldatische Benehmen, welches da so gelobt wird. Beruhigend ist auch, dass ich in Sport schon immer unbeholfen fürchterlich war. Was kann man aber für physische Höhenflüge von jemandem erwarten, der mit 17 immer noch die Kleidung aus Klassenstufe 5 tragen kann (wie momentan, ich stelle es mit Schrecken fest, der Fall ist)?

Kuriosum – ich hatte auch schonmal 2en in Englisch, und einmal in Latein.

Es hieß auch “Ihr sollte es noch gelingen, ihre schriftlichen Arbeiten besser zu strukturieren.” Dass diese Hoffnung unbegründet war, seht ihr am Blog, und an meinen Aufsätzen.

Kommen wir also zu Gemeinschaftskunde. Dafür wollte ich am Donnerstag lernen, habe aber second thoughts gehabt und dann versucht, früh morgens zu lernen. Dabei unterliege ich immer dem gleichen idealistischen Irrtum, ich wäre auch trotz meines Blutdrucks (nach dem Aufstehen 105 – 55) dazu in der Lage (“mein Blutdruck”, das klingt als wäre ich 80) und so beginnt jedes Mal das selbe zerrüttende Trauerspiel. Halb vier klingelt plärrt der Wecker, ich werfe einen Blick auf die Lebensrealität des anbrechenden Tages, entscheide mich auf Basis dessen gegen das Einschalten des Lichts und drehe mich auf die andere Seite. Dreißig Minuten vergehen, danach dasselbe, nur bei eingeschaltetem Licht. Um fünf stehe ich immerhin schonmal auf, traue mich aber nicht aus meinem Zimmer, um meinen Vater nicht beim Waschen zu erschrecken. Mit voller Blase kann man nicht lernen, also schlafe ich bis um sechs und liege dann bis 6.45 nachdenkend – natürlich nicht über das zu Lernende – da. Bis 6.47 zähle ich die Sekunden, das Ergebnis wundert mich schon lange nicht mehr. Und danach bin ich zu sehr mit dem Auffinden der tagesrelevanten Dinge beschäftigt, um mich mit idealen Märkten oder deBrogli zu beschäftigen. So läuft das jedes Mal, mit kleinen Variationen bezüglich der Zeit ab. Ich bin wie Kant, aber wenigstens kategorisch konsequent.

Für GK muss man aber gar nicht lernen, das macht keiner, lieber schreibt man die Daten auf Mini-Spickzettel oder fotografiert den Hefter gleich mit dem Handy ab – kein Problem bei einer romanlesenden Lehrerin. Blöd nur, wenn man wie ich nie irgendwas über die Funktion des Marktes in den Hefter geschrieben hat und beim Rest der Themen beim Arzt oder bei einem Wettbewerb war. So besteht die Hälfte des Texts über die unsichtbare Hand Smiths (warum sind die GK-Lehrer so auf diesen einem Begriff nur so fixiert, immerhin wird er in The Wealth of Nations nur einmal beiläufig erwähnt) aus einem Vergleich des Liberalismus zu Ideen der “Frühsozialisten wie Fourier…”, da ich darüber irgendwann etwas in einem DDR-Lexikon gelesen hatte, einfach weil mir das alleinige Umschreiben der Informationen aus der Quelle zu dumm war.

O-yasumi nasai.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: