Gone Green

April 3, 2009

Gewissermaßen spontan fiel mir heute Mittag auf, dass ich mich seit Januar 2005 konsequent vegetarisch – während dieser Zeit ein Jahr lang sogar vegan – ernährt habe. Das Anpassen von Rezepten und der entsprechende Einkauf funktionieren – erwartungsgemäß, nach  immerhin 4 Jahren – automatisch. Ich bin keine PeTA-Extremistin und habe dank der Tatsache, von Zeit zu Zeit Mahlzeiten mit normal essenden Eltern und Großeltern einzunehmen, kein Problem mit dem Anblick oder gar der Zubereitung von Fleisch, der Militanz-Vorwurf ist also unangebracht.

Allerdings wird mir von Schweinefleischgemack (wenn sich mal ein Stückchen in die Suppe o.ä. verirrt) übel, andere Fleischsorten sind noch erträglich, Rind habe ich sowieso noch nie gegessen. Es ist erstaunlich, wie stark die Empfindlichkeit für diesen fleischigen Geschmack steigt. Viele Vegetarier ersetzen ja die Fleischportionen größtensteils, meist durch Bratlinge, vegetarische “Wurst” oder Tofu. Für mich ist allerdings fast ausschließlich letzteres akzeptabel, wozu muss man unbedingt “Wiener” oder “Hackfleisch” konsumieren? Es gibt sogar veganen Käse (der nicht nach Käse schmeckt) oder Sahne (die ziemlich autentisch schmeckt) – bei einer auf Bratlingen und Käsersatz basierenden Diät sollte man aber nicht mehr mit dem Argument “Vegetarismus ist gesünder” arbeiten. Alles in allem sind solche Ersatzprodukte weitaus teurer als das Original und extrem fettig (und, im Falle des “Steaks”, äußerst zäh).

Mittlerweile habe ich seit einigen Wochen keine Eier mehr gegessen (unbeabsichtigt) und nur etwa 1 Glas Milch täglich zu mir genommen – wenn ich das noch ersetzen  (Haferdrinks sind toll, die Soja- und Dinkelvarianten noch besser) und keinen Frischkäse (den ich sowieso nicht mehr ertragen kann – täglich ein Brötchen mit Tomatenscheibchen und Frischkäse ist sehr nervtötend) essen würde, könnte ich wieder vegan leben. Ich bin nicht sicher, ob ich das allzu bald machen werde, nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern weil ich nicht täglich daran erinnert werden möchte genug B12-und-was-noch-alles zu mir zu nehmen (obwohl Nährstoffe bei einigermaßen gesunder Lebensmittelzusammenstellung kein Problem darstellen). Apropos Gesundheit: Meinen niedrigen Blutdruck konnte diese Ernährungsweise natürlich nicht verbessern, aber alle Blutwerte sind gut bis überdurchschnittlich (besonders Eisen und Calcium).

Und fehlt irgendwas? Außer der Tatsache, dass man damit klarkommen muss, notfalls auch einen Tag lang gar nichts zu essen (besonders für Veganer – Müsli ist i.d.R nicht geeignet 😉 aber schon Spaghetti mit Bolognese ist bei mir ein Fall für Lunch-cancelling, pure Nudeln sind nicht gerade appetitlich) gibt es nichts Unangenehmes an dieser Ernährungsweise. Besonders nicht für Tiere und Umwelt.

Während Vegetarismus den Mainstrean erreicht hat, wirkt eine vegane Diät wie Fundamentalismus. Ein Extrem, dass selbst ich nicht erreichen will, ist hingegen Rohkost. Das liegt jedoch nicht an gesundheitlichen Bedenken, Abneigung gegen Gemüse oder Geldmangel (Obst ist teuer, wenn man es kiloweise verzehrt). Es ergibt kaum Sinn, weniger als 10% der Kalorien in Form von Eiweiß zu sich zu nehmen -Bohnen und Hülsenfrüchte kann man nicht roh verzehren. Wenn man sich außerdem die Blogs von Rohköstlern durchliest, fällt auch eine leicht entrückte Weltsicht ins Auge, von Anthroposophie über Impfgegner bis Schamanen ist alles dabei. Zudem – ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie man zu einer Mahlzeit 5 Bananen und/oder 10 Mandarinen verzehren kann, von dem typischen exzessiven Tahin- und Avocadoverzehr einmal abgesehen. Vernünftig dürfte es schon sein, beispielsweise morgens und mittags nur Gemüse+Obst und etwas Fetthaltiges zu sich zu nehmen, zum Abendessen aber Nahrungsmittel mit hohem Eiweißanteil, aber ganz konsequent auf verarbeitete Produkte zu verzichten muss nicht  das Non-plus-ultra sein, auch nicht wenn man fadenscheinige Argumente und beliebige Experten heranzieht, um die Rohkost-als-Allheilmittel-Theorie zu stützen. Versteht mich nicht falsch, ich verurteile Rohköstler nicht (ein bisschen kritische Reflektion schadet aber nie). Letztendlich aber dient Ernährung dem Erhalt der Lebensfunktionen und sollte kein Politikum sein, jeder muss frei entscheiden, welche Genussmittel er konsumiert – oder eben nicht.

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