Andere Geheimnisse

April 24, 2009

Von den Geheimnissen der Kühe zu den Geheimnissen der Frauen. Was wollten Männer schon immer einmal wissen, haben sich aber nicht getraut zu fragen? Web.de kann Gedanken lesen und erfüllt blutleere Hirne (beim Lesen der Artikel wird nämlich klar, wo das Blut hin ist…) mit Wissen – oder das, was der gemeine Men’s Health Leser dafür hält.

Zwölf Frauen gewähren uns intime Einblicke in ihre Gefühlswelten – und helfen uns dadurch, ihre Lachanfälle, Wutausbrüche und Heulkrämpfe nachzuvollziehen

Natürlich, die irrsinnsgeschüttelten Damen muss man ja erst mal verstehen lernen. Dabei hilft uns unser Lieblings-Provider. Rundumschutz gegen hysterische Anfälle im Premiumpaket inklusive

Wie fühlt es sich an, große Brüste zu haben?

In der Quintessenz des Artikels – absolut geil. Und die Autorin (mit notgeilem Ghostwriter) findet es natürlich klasse, ständig angemacht zu werden und

einen Turm von Tellern gegen [die] Brust lehnen und tragen

zu können. Erst richtig zur Geltung kommt 85D ja erst im Krankenschwester-Latex-Outfit, aber das steht nicht mehr im Text. Dafür aber

einen Büstenhalter findet und durch die Wohnung ruft: “Boah, sind die riesig! Damit kann man ja einkaufen gehen.”

Ja, normalerweise werden BHs auch während der alltäglichen Shopping-Touren getragen. Madame braucht das aber offenbar nicht einmal, denn

Allerdings sind sie zum Glück noch richtig fest.

Prost!

Wie fühlt es sich an, für ihn Reizwäsche zu tragen?

Jetzt haben sich die Schreiberlinge von MH entgültig entlarvt und ihre Zielrichtung preisgegeben. No comment.

Wie fühlt es sich an, für Sex bezahlt zu werden?

Wir ahnen es – spitzenmäßig.

Wie fühlt es sich an, lange Fingernägel zu haben?

Der Aspekt ist für den geneigten Mann noch einfacher nachzuvollziehen als das ebenso beschriebene Tragen von High-Heels – einfach zwei Monate mal nicht schneiden und ein bisschen feilen (ist doch was Handwerkliches, sollte also für die werten Herren nicht peinlich sein)

Wie fühlt es sich an, nicht einparken zu können?

Wie fühlt es sich an, ein sinnentleertes Leben zu führen? Aber eigentlich ist der Artikel gar nicht so schlimm. Es werden ja keine Stereotype bemüht, denn:

Ich glaube nicht, dass ich zu doof zum Einparken bin, mir fehlt einfach die Praxis.

Und warum?

Zu dumm, dass ich was mit meinem Fahrlehrer hatte.

Das erklärt so einiges.

Wie fühlt es sich an, penetriert zu werden?

Kopf —->Tisch. (Will das ein heterosexueller Mann eigentlich wissen?)

In den schmuddeligen Romanen, die ich oft lese […]

Jetzt ist mir klar, was diese Buchhalterin für Bücher hält… (Das war platt, ich weiß.)

Wie fühlt es sich an, ein Kind zu kriegen?

Und wen fragt man dazu am besten? Logischerweise eine zweifache Mutter, die beide Kinder mit Kaiserschnitt zur Welt gebracht hat! Nicht, dass das nicht völlig legitim wäre – aber der Sinn darf bezweifelt werden.

Wie fühlt es sich an, einen Penis in den Mund zu nehmen?

Wie eine Knackwurst. Das sage nicht ich, sondern eine gewisse Christine R. (wohl eher ein Christian, der potenziallen Partnerinnen die Vorbehalte gegenüber Oralsex nehmen will). Logik hat der/die Betreffende jedenfalls nicht mit Löffeln gefressen, auch wenn sie noch ganz anderes Zeug schluckt:

und ich tue ihm gern den Gefallen, auch wenn es mich nicht physisch stimuliert. Emotional ist es sehr befriedigend zu wissen, dass ich meinen Partner richtig verwöhnen kann. Und dass er das Gleiche auch für mich tut.

Huch?

Die richtige Technik habe ich schnell gelernt, denn jeder Mann zeigt seine Erregung ja vor allem mit dem Penis.

Doppel-Huch!

(Gibt es eigentlich schon ein Web/GMX-Watchblog, so wie bildblog.de? Das ist doch mal eine Blogosphären-Lücke!)

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3 Responses to “Andere Geheimnisse”

  1. Benni said

    Ach, ich kann mir schon vorstellen, dass dahinter tatsächlich Frauen stecken, allerdings ist es leicht fragwürdig, eine russische Prostituierte danach zu fragen, wie es ist, für Sex bezahlt zu werden, oder Madame 85D, ob die “Dinger” denn toll sind (das mit den Tellern ist übrigens echt der Hammer – vor allem der unheimlich schmeichelhafte Kommentar vom Chef), oder eine Nymphomanin, wie toll doch Penetration ist…
    Frag mal einen Hochleistungssportler, wie es sich anfühlt, drei Stunden täglich für Fitness zu verwenden – die Antwort wird verblüffend erwartet sein.

    Bestes Beispiel, Mutter von zwei Kindern:
    “Meine beiden Kinder sind durch Kaiserschnitte zur Welt gekommen. Wir hatten in beiden Fällen einen Geburtstermin, der von vornherein feststand. Beide Babys wurden unter lokaler Anästhesie herausgeholt. Vor oder während der Operation hatte ich eigentlich keine Schmerzen.

    Gleich nach der Operation habe ich das Kind dann im Arm gehalten.”
    Ja, bei der Vorstellung würde sogar ich mir ein Kind zulegen. Schmerzfrei, plangerecht, schnell und unmittelbar – so läuft doch jede Geburt ab, was habt ihr Frauen eigentlich immer, tze! Und die hormongebeutelten 9 Monate zuvor werden ja auch nicht sooo belastend gewesen sein (immerhin seid ihr es ja auch gewohnt, große Gewichte mit euch herumzutragen).

  2. taohuayuan said

    Ich finde einfach, dass die Wortwahl und der Aufbau dieser “Einblicke” extrem konstruiert wirkt – entweder stecken dahinter Journalistinnen, die eher wenig eigene Erfahrungen auf dem jeweiligen Gebiet haben oder eben ein männlicher Autor. Das hat nichts mit dem Inhalt oder den Themen zu tun – aber jeweils Betroffene würden sich einfach nicht so ausdrücken bzw. die Situation so darstellen. Ich kann nicht genau beschreiben, was mich an der Authentizität zweifeln lässt (von der Quelle einmal abgesehen), aber…

    “russische Prostituierte […] oder Madame 85D”
    Eigentlich könnten die Antworten aber auch anders ausfallen – wer sich prostituiert, um überhaupt überleben zu können oder wegen der Brüste starke Rückenschmerzen hat, wird wohl kein rosiges Bild malen. Wobei das mit dem Maßen sowieso so eine Sache ist – viele Männer (und seltsamerweise auch genügend Frauen) können mit solchen Angaben nichts anfangen (aber 85D klingt ja “Boah, wie geil”-groß). Trivia am Rande: Die Tabellen dafür sind auch lustig (im Sinne von fragwürdig), Unterschiede im Unterbrustumfang von nur 1 cm können entscheiden, ob die Frau 85C oder 80E hat… 😛

    “Schmerzfrei, plangerecht, schnell und unmittelbar”
    Das ist die Lebenswirklichkeit der modernen, idealen und emanzipierten Frau!

  3. taohuayuan said

    Konstruierte Berichte und “Propaganda”-Schriften (im weitesten Sinne, eigentliche Werbung nicht inbegriffen) zeichnen sich durch eine Schreibweise aus, die sich nur sehr subtil von neutralen Artikeln unterscheiden, aber irgendwie ist der gesamte Ton anders. Mit der Zeit fällt sowas auf.

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