Tip-Toeing around Sleep

December 3, 2009

Thin are the night-skirts left behind
By daybreak hours that onward creep,
And thin, alas! the shred of sleep
That wavers with the spirit’s wind

Die Dämmerung draußen, in der Natur, in der Stadt, ist schon zwei Stunden her, in meinem Kopf ist sie ganz frisch, knusprig-dampfend aus dem Ofen. Eine frische, eingebildete Brise weht über mein Gesicht und kühlt den sich langsam akkumulierenden Schweiß. Alles wird ein bisschen stiller, ein bisschen zu still, ich möchte es dennoch herzlich willkommen heißen, da es die sinnentleerte Nachrichtensendung eines Privatsenders ausblendet, sie überblendet mit der in mein Gesichtsfeld wandernden, unscharfen Dunkelheit. Geradeaus starren, lächeln, du bist bestimmt gerade ziemlich blass, intensiv die Vokabelkarten durchblättern, jetzt zu lächeln ist strategisch ungünstig du hast doch vorher nicht übermäßig fröhlich geschaut warum jetzt, gerade hinsetzen, Bauchmuskeln anspannen, irgendeinen Muskel anpannen, ist da noch Körper oder nur noch Kopf, der sich dem shutdown hingibt? Und dann Wiederauftauchen aus einem Pool ohne Wasser – warum merkt man nie, dass man einschläft oder das Bewusstsein verliert? In solchen Momenten werde ich von kribbelnder Paranoia heimgesucht, würde man je wissen, wenn das eigene Bewusstsein oder Gedächtnis manipuliert werden würde, zumindest im Moment des Geschehen, mehr verlange ich ja gar nicht? Das Herunterfallen der Lernkärtchen verlief jedenfalls völlig umbemerkt, diese Sekundenbruchteile. Kribbeln auch in meiner Hand, wenigstens ist sie noch da, aber wo sollte sie denn auch hin, angeleint an dem Plasmopheresegerät?
Oh ja, ich verstehe Sie gut, es ist nur, dass gerade meine Ohren nicht funktionieren, aber das ist nicht weiter bedenklich, sagte ich nicht. Ich entdecke mein Talent für Lippenlesen und reagiere auf die Fragen der Ärztin und der Schwestern, vielleicht etwas laut, bestimmt ein wenig dysgrammatisch, definitiv verwirrt klingend. Traubenzucker wortreich verweigert, Banane vorgezogen. Nötigung zum Kaffeetrinken, dessen Zubereitungsweise (Automat) vom Personal ausgiebig in genereller Nicht-Hörweite diskutiert wurde, um mir vielleicht doch Zucker oder Kaffeeweißer unterzujubeln – kann sich ja nicht wehren, kommt nicht sehr weit mit einer Nadel in der Armbeuge und Synapsen beim sich-vor-den-Zug-werfen. “Haben Sie gegessen, getrunken?” Klar, ich bin doch nicht verrückt. Apfel, Sauerkraut, ein Brötchen, ein Stück Tofu, zwei Esslöffel Kokosflocken, je drei Bananen und Möhren. “Essen Sie normal!” Was ist normal, diesmal tatsächlich als ausgesprochene Frage. “Wissen Sie denn nicht, was normale Ernährung ist?” Der Tonfall impliziert Auffassung der Frage als ironisch, als aufsässig. Weiß ich es? Muss ich es wissen? Geht es darum überhaupt? “Auch mal eine Scheibe Wurst, Käse…(Monolog)…(ff)…sie haben heute zu eiweißreich gegessen.” (Sauerkraut – die Eiweißbombe. Abhilfe lässt sich da nur mit Wurstkosum schaffen.) Aber wer Traubenzucker ablehnt, ist bereits per definitionem seltsam, da hilft auch kein pflichtschuldiges, heuchlerisches, immer noch blasses Nicken mehr. Könnte mich über semantische Unterschiede bspw. in der Verwendung des Wortes “normal” auslassen, aber für dieses Bedürfnis rügt mich Frau P. schon jede Sitzung genug.
Fahrradliche Heimfahrt in einem der seltsamsten Zustände meines Lebens, einer obskuren Mischung aus Koffein-induzierter Pseudo-Wachheit, Sekundenschlaf-geeigneter Müdigkeit, 80-zu-60-Kopfleere und sich-anschleichender, latenter Manie.

Danke für den Kaffee, schwarz, aus dem Automaten, im Einwegbecher. Danke für eine weitere schlaflose Nacht, einen weiteren Tag in Dämmerzustand – unterbrochen von 70-Sekunden-Intervallen semiluzider Euphorie oder alternativ Einschlafen in jeder zweiten Vorlesung. Danke, dass keiner die Routine zerstört.

Andernfalls, was für ein Leben wäre das schon?

What do you mean, tedious whispers?
Is it the day I have wasted
Reproaching me or murmuring?

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